Sommerjobb

Mein Sommerjob ist jetzt offiziell zu Ende. Ich habe 144h gearbeitet und gut Geld verdient. Gegebenenfalls muss ich allerdings 1/3 davon erstmal als Steuern zahlen, bis ich es nächstes Jahr wiederbekomme, da ich unter dem Betrag liege, unter dem man überhaupt Steuern zahlen muss, aber nicht nach einer Befreiung von Steuern fragen konnte, da ich keine Personennummer habe (P-nummer).

Die Arbeit war oft recht entspannt und gut erträglich, allerdings hatte ich eben ein paar Probleme, mich dort richtig zu integrieren. Die Kollegen waren zwar alle nett, aber ich konnte keinen richtigen Draht zu ihnen aufbauen. Trotzdem war es eine gute Erfahrung einen ersten Job in Norwegen gehabt zu haben. Nicht nur, dass ich relevante Arbeitserfahrungen gesammelt habe, sondern auch dass ich mein Norwegisch verbessern konnte und ein bisschen mehr verstanden habe, wie die Norweger so ticken, wird mir sicher in der Zukunft weiterhelfen können. Ich möchte noch anmerken, dass der anstrengende Teil des Jobs nicht der teils 2 Stunden lange Anfahrtsweg per Ruderboot und Fahrrad, oder die Arbeitszeiten bis in die Nacht waren, sondern der psychische Aspekt, dass Johanna und ich zwar zusammen gewohnt haben, aber trotzdem teilweise eine Woche so gut wie keine Zeit mit einander verbringen konnten, da sie tagsüber und ich abends/nachts gearbeitet habe. Es hat psychisch wirklich gezehrt, zu wissen, dass ich den einen Tag nach dem anderen tagsüber vertrödeln muss, obwohl ich Zeit mit ihr verbringen wollte und dann aber weg musste, sobald sie nach Hause gekommen ist. Wir haben gestern gemerkt, dass wir so wenig miteinander reden konnten, dass wir über Sachen von vor zwei Wochen nicht geredet hatten. Memo an mich selbst: Nächstes Mal so etwas auf jeden Fall verhindern.

Jetzt haben wir aber noch ein paar Tage auf Smøla, in denen wir einfach die Ferien genießen werden. Danach geht es dann nach Trondheim und anschließend nach Ås. Morgen kommt eine Freundin der Familie nach Veiholmen, wo wir dann auch mit dem Boot Veltepetter ( bedeutet so circa “der, der immer umkippt”…) fahren wollen, um sie zu besuchen. Dann kann ich meine ganzen Sachen, das Trinkgeld vom Job und hoffentlich auch meine Bankkarte abholen. Die Bankkarte sollte per Post versendet werden, allerdings haben wir auf Veiholmen gar keinen Briefkasten. Dann wollten wir erst einen aus einer alten Eispackung bauen, aber haben uns entschieden, ihn nach Vågarbryggå schicken zu lassen.

Letztens haben wir einen halben Tag lang Torf gestochen, welcher auf das neue Bootshaus (No. et naust) als Dachbelag kommen wird. Das sieht dann sicher echt gut aus und man stellt sich das so ein bisschen romantisch vor, aber Torfstechen ist eine unglaubliche Arbeit. Vorallem wenn man von Bremsen (No. en klegg) förmlich aufgefressen wird. Aber irgendwie war es trotzdem eine gute Erfahrung. Das war ein bisschen wie ein Museum zum mitmachen.

Von jetzt an wird der Aufenthalt sicherlich angenehmer. Ich freue mich schon auf das Studium und das Leben in Ås, die restlichen Tage auf Smøla und unsere erste richtige Wohnung in Norwegen. Ab dann nehmen wir auch gerne Besuch entgegen (behaupte ich jetzt mal). Ich gehe jetzt raus und genieße die Sonne und die “Wärme” 🙂

Wir lernen Norwegisch: en øy – eine Insel; øya – die Insel (z.B. Edøy = Ed-Insel)

Ich wurde angenommen!

Ratet mal, wer als Masterstudent an der NMBU in Ås angenommen wurde?! Wahnsinn, oder? Nach drei Jahren Norwegischkurs, einem fast vierstelligen Betrag an Sprachzertifikatstests und vielen stressigen Tagen, halbschlaflosen Nächten, Hoffnungsschimmern (das kann doch gar nicht schief gehen) und Verzweifelung (was ist, wenn ich mein Studium jetzt umsonst gemacht habe?) wurde ich nun letztendlich angenommen. Wie ihr oben sehen könnt, wurde ich für Miljø og naturressurser (Umwelt- und Naturressourcen) angenommen. Das ist genau das Studium, welches in Göttingen schon angefangen habe, was mich besonders glücklich macht, da es wirklich interessant und vorallem wichtig für die Zukunft der Menschen ist. Ich bin wirklich nicht so emotional, wenn es um Tränen geht, aber als ich die Antwort von der Universität bekommen habe, hatte ich schon ein bisschen Pipi in den Augen. Ob es der ganze Stress war, der sich ausgezahlt hat, oder eher die Gewissheit, dass ich meine Ausbildung nicht in die Tonne treten musste, um nach Norwegen zu kommen, ist mir selbst nicht ganz klar. Jedenfalls ist es jetzt überstanden. Puh.

Desweiteren habe ich nun endlich ein Bankkonto. Um das zu kriegen braucht man die D-Nummer (Steuernummer für Ausländer), einen Personalausweis und ggfs. einen Arbeitsvertrag. Obwohl ich das alles hatte wurden meine ersten drei Versuche abgewiesen, weil die Banken eigentlich einen Reisepass sehen wollen, keinen Personalausweis. Nachdem ich zusammen mit Johannas Mutter und den ganzen Dokumenten in die nächste Stadt (Kristiansund) gefahren bin (Bus-Boot-Boot-Bus) konnte ich ein Konto eröffnen, nachdem wir beide auf die Bank eingeredet haben. Um onlinebanking zu bekommen braucht man eine norwegische Handynummer. Banking am PC ist Norwegern oder Einwanderern Vorbehalten. Ist man ein Einwanderer, braucht man eine P-Nummer (Steuernummer für Norweger), welche man nur bekommt, wenn man einen unbefristeten Arbeitsvertrag oder andere Dokumente hat, die bestätigen, dass man länger bleiben wird. War das etwas verwirrend? Vermutlich. Ich habe selbst die Übersicht, aber das kam nicht ohne fremde Hilfe und recherche im Internet, sowie einem Haufen Bürokratie. Als ich damals in Kanada war, war es einfacher alles das zu machen, was man eben machen muss. Oder mit den Worten eines hilfreichen Bloggs über Einwandern nach Norwegen (trolljenta.no) “Ohne P-Nummer ist man kein Teil der norwegischen Gesellschaft”. Zum Glück kann ich jetzt einen Personalausweis an der deutschen Botschaft in Oslo holen (ich nehme an, dass das lange dauert), damit ich eine P-Nummer kriegen kann und damit freie Bahn habe. Bisher klappt ja alles. Eins nach dem anderen.

Das Photo oben ist von der Insel mit der Inselhütte. In letzter Zeit bin ich etwas mehr Fahrrad gefahren (120km in den letzten drei Tagen), um mit Johanna und Familie zusammen sein zu können. Rudern bekomme ich jetzt gut hin. Baden war ich auch ab und zu. Das Meer hat einladende 11°C, sieht aber glasklar und an manchen Orten regelrecht tropisch aus. Die kleinen Gesteinsinseln, die aus dem Wasser ragen kann man gut als natürliches Sprungbrett nutzen. Ansonsten war ich ab und zu joggen und habe versucht Plastikmüll (dabei) zu sammeln. Morgen laufe ich erst einen Halbmarathon und gehe dann bis nachts arbeiten. Das wird sicherlich hart, aber danach fühle ich mich sicher gut. Ich will versuchen, die Teilnehmer, die eh keine gute Zeit schaffen werden (so wie ich), ein bisschen Plastikmüll am Straßenrand aufzuheben. Hier am Meer gibt es durch die Strömungen einen gefühlt unendlichen Nachschub an Plastikmüll. Allerdings gibt es auch deutliche Zeichen dafür, dass viele Leute ihren Müll einfach aus dem Auto werfen. Falls das noch nicht bekannt war: Die Menschheit hat die Kontrolle über den Plastikmüll verloren, er ist überall zu finden, sogar Mikropartikel im Trinkwasser. Um dem ganzen Wahsinn entgegenzuwirken, will ich versuchen ein bisschen Aufmerksamkeit auf das Thema zu richten. Ich denke, dass jedes bisschen zählt. Außerdem hat zwar jeder einzekne von uns zu der Situation beigetragen, aber es wissen sicher nicht alle über die Ausmaße oder den Handlungsbedarf Bescheid. Ein Video über Plastikmüll könnt ihr euch hier angucken (es gibt deutsche Untertitel): https://goo.gl/QYTzD7

Ansonsten läuft alles wie gehabt, es gibt viele Touristen auf Veiholmen, die allermeisten Norweger. Ich habe bisher einmal Österreicher gesehen, aber die waren die einzigen, welche Ausländer waren. Also außer mir. Ich freue mich schon in Zukunft Besuch von einigen von euch in Norwegen zu bekommen. Zwar bin ich kein Eingeborener, aber ich habe das Gefühl, als könnte ich euch schon jede Menge spannende Dinge zeigen. All die kleinen Details, die man bewundert und mag, aber entweder nicht in Worte fassen kann, oder vergessen hat, bis man sich mit dem Laptop auf seinen Arbeitsplatz geschlichen hat, um einen Blogeintrag zu schreiben. Bis später!

Wir lernen Norwegisch: en søknad – eine Bewerbung

Hauptsaison

Damit sich der Blog nicht immer liest wie ein Tagebuch aus einem Schützengraben um 1917, versuche ich erst die Neuigkeiten zu berichten und dann ein paar Erlebnisse zu schildern, wie ich sie erlebt habe.

Die Hochsaison auf Veiholmen hat angefangen, womit auch deutlich mehr Touristen da sind. Letztes Wochenende waren die GLA DAGA (die frohen Tage), wo es Live Musik, Wettbewerbe und allgemeines High-Life gab. In Vågarbrygga, wo ich arbeite, gab es Freitag und Samstag Live Musik und viele Gäste. Es war absolut chaotisch, jeder zweite war gut betrunken. Die Leute sind hinter den Tresen gegangen, haben mit dem Licht gespielt, sind in den Mitarbeiter Bereich gegangen, haben an uns rumgezupft und ‘ To øl’ (zwei Bier) gerufen und einfach eine Kreditkarte hingehalten (wir nehmen nur Bestellungen am Tresen an). Die meisten waren aber trotzdem gut gelaunt und als ich durch die hüpfende, grölende Menge gegangen bin, um Gläser einzusammeln musste ich die Situation selbst belächeln. Wir sind mitten im Nichts, 10km im Ozean und trotzdem herrschte so eine Art Ballermann Atmosphäre. Die restlichen Tage war es aber ziemlich ruhig, sodass ich alles besser kennenlernen konnte und sicher bald Profi im Gastronomiegewerbe bin 🤓 Ich hatte jetzt zwei Tage mit ingesamt 21 Stunden Arbeitszeit, sodass ich quasi einen 450€ Job in nur zwei Tagen fertig hatte. Kommendes Wochenende ist das Gurispelet in dem Gurisentret, wo Johanna arbeitet. Für sie wird das stressig, für mich nicht, da ich frei habe. Eventuell kann ich aber beim Kaffee ausschenken nach dem Gurispelet (Freilufttheaterstück), damit ich das Stück kostenlos sehen kann.

Als ich gestern um 23 Uhr, nach meiner 10 Stunden Schicht, von Veiholmen zu der Inselhütte gefahren bin, war gutes Wetter, Sonnenuntergang und wenig Wind. Alles sah atemberaubend schön aus. Als ich über die 40 Meter hohe Brücke gefahren bin, konnte ich runter auf das gülden beleuchtete, smaragdfarbene, klare Meerwasser sehen, das sehr an karibische Urlaubsziele erinnerte. Nur das es 11°C hat und statt einem Sandstrand rohes abgeschliffenes Gestein hatte (sog. svaberg), welches sich erst in Torflandschaft auf Smøla und am Horizont zu gigantischen Bergen, der Fjordküste, verläuft. Während ich das alles aufnahm war es still, man konnte ein paar Möwen hören, sonst nichts. Ich fuhr durch die engen, schlängelnden Strassen, ab und zu in güldenem Sonnenuntergang, ab und zu beschatteg von den rohen Felsen, welche neben der Strasse aus dem Boden spriessen und kann kaum glauben, dass ich bezahlt werde, um da zu sein.

Vokabel des Tages: en skjærgård – Schärenlandschaft

Die erste Arbeitswoche

Meine erste Arbeitswoche ist zuende. Allgemein war noch nicht viel los, was sich aber kommende Woche ändern soll, weil die Hauptsaison beginnt. Kommendes Wochenende sind hier die Gla Daga (?fröhliche Tage?), wo die Gaststätte dann total voll sein wird. Bisher hatten wir maximal so 10 Gäste gleichzeitig, also wird das ein ganzschöner Umschwung. Gut ist, dass ich den Dialekt inzwischen erstaunlich gut verstehe. An Tag eins war das wirklich schwer, an Tag zwei deutlich besser und inzwischen läuft es beinahe wie geschmiert. Ich habe auch schon desöfteren gehört, dass mein Norwegisch gut ist!

Letzten Freitag habe ich erst einen Bus und dann ein Boot genommen, um zur nächsten Stadt zu kommen ? Fahrtzeit ca. 2 Stunden. Grund war, dass ich eine Steuernummer für meine Arbeit brauchte. Als Ausländer bekommt man hier erstmal eine vorübergehende Nummer, die D-Nummer genannt wird. Die Nummer hätte ich dann fast nicht bekommen, weil auf dem deutschen Personalausweis kein Geschlecht angegeben ist, was aber aus irgendeinem Grund relevant ist, um hier Steuern zu bezahlen…?! Jedenfalls habe ich sie doch bekommen, nachdem die Frau am Schalter ein bisschen rumtelefoniert hat.

Leider haben Johanna und ich am Wochenende versetzte Schichten, was bedeutet, dass sie tagsüber arbeitet und ich los muss, sobald sie zu Hause ankommt. Tagsüber gehe ich dann joggen, spazieren, lese usw., aber irgendwann wird es doch langweilig den ganzen Tag alleine rumzuhocken. Das macht es dann noch ärgerlicher, dass ich weg muss, sobald Johanna wiederkommt. In der Woche überlappen sich unsere Schichten zum Glück größtenteils.

Das Wetter ist ein bisschen besser geworden und heute ist es zum ersten Mal richtig warm und windstill. Umso besser passt es dann, dass Johanna und ich Montag und Dienstag zusammen frei haben und zur Hütte fahren können, um zu entspannen und etwas mit ihrem Bruder und seiner Frau zu unternehmen, welche dort gerade Urlaub machen. (Bei Verwirrung über was wo liegt guckt euch die Karte aus dem letzten Beitrag an, ganz unten).

Die Fotos in diesem Beitrag sind Eindrücke aus Veiholmen und der näheren Umgebung. Ich habe jetzt gelernt, dass Veiholmen mit ?d?, also Veidholmen, veraltete Schreibweise ist. Ds sind auf Norwegisch gerne mal stumm. Bisher bin ich rundum zufrieden mit meiner Auswandergeschichte! Bis denne!

Norwegisch lernen: Jeg kommer senere fordi båten min er forsinket. («Jai kommer ssenere foahdi booten min er foahschinket») ? Ich kommer später, weil mein Boot Verspätung hat.

Vågarbryggå

Am Montag habe ich meinen Sommerjob in der Gaststätte Vågarbryggå auf Veiholmen angefangen. Die meisten meiner Kollegen sind circa in meinem Alter, umgänglich und helfen mir bei allem Möglichen weiter. Ich bin nämlich der einzige, der zum ersten Mal bei so einem Sommerjob dabei ist.

Bisher läuft alles gut. Ich hatte Tagschichten, die von 12.00 bis 19.00 Uhr gehen und bisher wenig Gäste. Es gibt dann auch noch Abendschichten die von 18.30 bis 2.00 Uhr nachts gehen. Dann allerdings mit Abend und Nachtzuschlag auf den ohnehin echt guten Stundenlohn. Der Plan ist es, möglichst viel für das Studium anzusparen, welches dann im August beginnt (falls ich angenommen werde).

Da es in Norwegen rund 160 verschiedene Dialekte und zwei verschiedene (Schrift)sprachen gibt, passiert es schnell, dass man an Ort B andere Wörter nutzt, oder alles etwas anders ausspricht, als an Ort A.  Hier spricht man einen nynorsk Dialekt, der für mich eine Herausforderung ist. Johannas Dialekt ist zwar etwas ähnlich, aber in den Sprachkursen haben wir den Oslo Dialekt gelernt, da es dort am meisten Arbeitsplätze gibt usw. . In dem lokalen Smøla Dialekt wird so z.B. das Wort “hun” (sie) zu “ho”. Das klingt ein bisschen ähnlich, sieht ein bisschen ähnlich aus, aber bedeutet dass ich bei vielen Sätzen dann eher die Kernbotschaft mitkriege, als alle Details. Aber das lerne ich schon noch. Irgendwie habe ich auch Johannas Dialekt gelernt (zu verstehen). Desweiteren habe ich die Chance neue Wörter zu lernen und meine Nynorsk-kenntnisse zu verbessern.

Das Wetter hier ist angeblich oft schlecht, also bedeckt regnerisch und kalt. Im Sommer wie im Winter, da es wegen dem Meer keine grossen Temperaturschwankungen gibt. Also mich stören die 9-12°C eigentlich gar nicht so. Es ist eher der dauerhafte Wind, der einem ein bisschen auf die Nerven gehen kann. Aber immerhin keine 30°C, wo man einfach nur eingeht 😁

Wegen dem Wetter und akutem Mangel an Internet, das nicht mobile Daten ist, habe ich nicht so viele Photos parat. Aber hier ist trotzdem eins von Johannas Arbeit aus fotografiert. Bis denne!

Vokabel des Tages: ei brygge – ein Kai

Smøla und Veidholmen

Johanna hat ihren Job schon angefangen, während ich noch ca. eine Woche warten muss, bis ich anfangen kann. Sie arbeitet südlich auf der Insel und ich im extremen Norden. Da unsere Wohnung zur Zeit ,durch einen Sturm bedingt, nicht erreichbar ist, da wir ein Boot benutzen müssten, was leider nicht geht, bei solchen Wellen und Winden, wohnen wir jetzt in der alternativen Wohnung auf Veidholmen. Hier fahren sogar ein paar Busse, es gibt Touristenunterkünfte etc. Hier würde ich gerne ein Bild zeigen, aber bisher bin ich bei dem Sturm drinnen geblieben. Deshalb hier ein Foto von der im Moment nicht erreichbaren Insel.

Wie ihr sehen könnt, war das Wetter nicht nur Schlecht. Auf dem Foto sind übrigens Boothäuser abgebildet, nicht die Hütte, in der wir wohnen würden, wenn kein Sturm wäre.

Apropros Boot, ich habe gestern den unteren Teil des Rumpfs von einem 5m langen Boot angemalt, um Johannas Onkel zu helfen, was überraschend viel Spass gemacht hat. Gut, dass ich mich im Voraus mit Hörbüchern ausgestattet hatte!

Doof nur, dass ich meine Regenjacke in der Inselhütte vergessen habe, sonst wäre der horizontal fallende Regen und die 9°C vielleicht etwas einladender 😅 Später versuche ich trotzdem noch rauszugehen und hoffentlich irgendwas sinnvolles zu machen.

Nochmal eine Übersichtskarte. Von “Inselhütte” zu “Veidholmen” (übrigens mit stummem d) sind es ca. 30km. Ich als Geograf sollte natürlich so oft wie möglich Karten benutzen. Bis später!

PS: Das ist auf dem Handy geschrieben, hoffe es sieht an PC’s dann auch ok aus.

Deutsch

 

…habe ich ein bisschen verlernt. Zumindest habe ich oft das Gefühl, wenn ich Texte schreibe, die kontrolliert werden. Darauf haben mich nach meinem ersten Post direkt ein paar Leute angesprochen und ich bin mir dessen auch bewusst. Ich weiss, dass das ja nicht böse gemeint war, aber dazu ein paar kurze Worte. Bis 2011 war ich in der Schule in Deutsch immer gut (bis sehr gut). 2012 habe ich in Kanada gelebt und bin mit einem Mischmasch aus Deutsch und Englisch wiedergekommen, da mein Gehirn sich scheinbar nicht auf einen Schlag wieder umstellen konnte. Ab 2013 habe ich 1,5 Jahre französisch gelernt, also mein drittes Grammatiksystem. 2014 ist Isländisch dazugestoßen(1,5 Jahre). 2015 Norwegisch (andauernd). Außerdem habe ich mir in der Freizeit noch Russisch, Polnisch, Spanisch, Dänisch und Schwedisch angeguckt. Auch wenn ich dauerhaft in Deutschland gelebt habe, geht auf dem Weg die ein oder andere Grammatikregel verloren. Das soll gar nicht so sehr eine Rechtfertigung sein, wie eher eine Erklärung, warum meine Texte nicht unbedingt hundertpro korrekt sind und vermutlich auch weiterhin sein werden. Ich persönlich sehe das Problem auch nicht, solange die Informationen gut überliefert werden. Vielleicht bin ich da ein Freidenker, aber ich glaube eben mehr daran, dass Sprachen ein Schlüssel sind, um mit Menschen kommunizieren zu können, als etwas das einen zurückhält, weil man Angst hat, irgendwelche Fehler zu machen. Es kann also passieren, dass ich sowas wie Folkshochschule schreibe, da ich eigentlich das norwegische Wort Folkeuniversitetet vermeiden wollte und dann das F im Kopf hatte.

So, jetzt Inhalt. Wir fahren Freitag auf die Insel Smøla, wo Johanna und ich vermutlich ab Montag jeweils einen Vollzeitjob haben werden. Sie im Süden der Insel und ich im Norden. Dazwischen liegen 45km Distanz mit der Hütte von Johannas Eltern grob in der Mitte. Wir wollen mit Fahrrädern zur Arbeit fahren, was jeden Tag viel Strampelei ist, aber eben auch gutes Training. Außerdem müssen wir von der Hütte zu den Fahrrädern rudern. Ich kann nicht rudern. Am Wochenende kriege ich einen Crashkurs. Passt schon.

Heute war der Geburtstag von Johannas Bruder und wir haben entspannt gefeiert. Trondheims grauer Marktplatz ist jetzt eine erdfarbene Baustelle. In der Stadt waren viele Deutsche, da hier ein Stop der Hurtigruten Schiffe ist. Ich habe getrockneten Seetang als Snack probiert und mich danach bedankt, dass der Teer lecker war. (Tang = tare; Teer = tjære). Mein Norwegisch wird langsam schon besser, aber ich muss auf meine Betonung achten. Es ist immer noch schwer einem Gruppengespräch hundertprozentig zu folgen. Aber das wird schon. Ich fühle mich pudelwohl und freue mich auf die kommenden Monate 🙂

Ankunft in Norwegen

Am 10.06.2018 bin ich ausgewandert. Ok, mit Verspätung der Flugzeuge eigentlich am 11.06.. Vermutlich wissen es auch alle, die das hier lesen, aber es hat mich in den Norden nach Norwegen gezogen. Ich habe mein Masterstudium in Göttingen (Ressourcenanalyse und -management M.A.) abgebrochen, um ab August in Norwegen einen neuen Master anzufangen. Falls ich angenommen werde. Dafür habe ich allerdings alles mögliche getan, unter anderem einen Englisch- und einen Norwegischsprachtest gut bestanden.

In diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen dokumentieren. Für Freunde und Familie, sowie für andere, die mehr darüber wissen wollen, wie es ist, ins Ausland auszuwandern.

Bis zum August ist noch viel Zeit und die werde ich damit überbrücken zu arbeiten. Dank der Hilfe der Mama meiner Freundin konnte ich einen Sommerjob für Ende Juni und Juli bekommen. Johanna (Freundin) und ich wohnen dann_ab Freitag beide auf der Insel Smøla in einer Ferienhütte, von wo aus wir auch arbeiten werden. Wenn die Arbeit dann vollbracht ist, ziehen wir etwas südlich von Oslo in den Studienort Ås. Aber das eben erst im August.

Bisher kommen wir bei Johannas Eltern in Trondheim unter, wo wir uns ein bisschen entspannen und ich mich wieder an Vollzeit-Norwegisch gewöhnen kann. Ohja, gewöhnen muss ich mich auch daran, dass die Sonne zwar untergeht, es aber nie dunkel wird. Ich komme mit Johannas Eltern soweit gut klar, finde sie sehr symphatisch und nehme sie als fröhlich und unterstützend wahr.

Noch ein paar erklärende Worte: Anfang 2016 habe ich angefangen Norwegisch zu lernen. Meine ursprüngliche Motivation war eine Faszination vom Norden, den skandinavischen Ländern und dem Wunsch etwas spannendes, aber dennoch sinnvolles mit meinem Leben anzufangen. Dafür habe ich mich irgendwie nicht in Deutschland gesehen, auch wenn ich den Grund nicht direkt festmachen kann. Jedenfalls ist mein Norwegisch dann über die Zeit ganz gut geworden; besonders nachdem ich meine Freundin Johanna getroffen habe, welche auch Norwegerin ist und mir so enorm weiterholfen konnte. Im April 2018 habe ich dann den sogenannten Bergenstest abgelegt, welcher ein Sprachtest der Folkeuniversitetet in Bergen ist. Laut dem lagen meine Fähigkeiten auf dem Niveau C1, also auf der Skala direkt unter Muttersprachlerniveau (die Skala lautet: A1/A2/B1/B2/C1/C2). In Wirklichkeit ist es so, dass ich mein Norwegisch wirklich gut einschätzen würde, aber eben noch viel zu lernen habe. Besonders was Vokabeln, Redewenungen und grammatikalisches Geschlecht angeht. Ich bin gespannt, wie schnell sich meine Sprachfertigkeiten wohl verbessern werden und wie gut ich mich an die subtilen kulturellen Unterschiede anpassen kann.

Wie häufig ich den Blog führen werde, wird sich zeigen, allerdings könnte es sein, dass ich ab Freitag nur Internet am Handy haben werde.

Lektion des Tages: en utlending – ein Ausländer