Die erste Arbeitswoche

Meine erste Arbeitswoche ist zuende. Allgemein war noch nicht viel los, was sich aber kommende Woche ändern soll, weil die Hauptsaison beginnt. Kommendes Wochenende sind hier die Gla Daga (?fröhliche Tage?), wo die Gaststätte dann total voll sein wird. Bisher hatten wir maximal so 10 Gäste gleichzeitig, also wird das ein ganzschöner Umschwung. Gut ist, dass ich den Dialekt inzwischen erstaunlich gut verstehe. An Tag eins war das wirklich schwer, an Tag zwei deutlich besser und inzwischen läuft es beinahe wie geschmiert. Ich habe auch schon desöfteren gehört, dass mein Norwegisch gut ist!

Letzten Freitag habe ich erst einen Bus und dann ein Boot genommen, um zur nächsten Stadt zu kommen ? Fahrtzeit ca. 2 Stunden. Grund war, dass ich eine Steuernummer für meine Arbeit brauchte. Als Ausländer bekommt man hier erstmal eine vorübergehende Nummer, die D-Nummer genannt wird. Die Nummer hätte ich dann fast nicht bekommen, weil auf dem deutschen Personalausweis kein Geschlecht angegeben ist, was aber aus irgendeinem Grund relevant ist, um hier Steuern zu bezahlen…?! Jedenfalls habe ich sie doch bekommen, nachdem die Frau am Schalter ein bisschen rumtelefoniert hat.

Leider haben Johanna und ich am Wochenende versetzte Schichten, was bedeutet, dass sie tagsüber arbeitet und ich los muss, sobald sie zu Hause ankommt. Tagsüber gehe ich dann joggen, spazieren, lese usw., aber irgendwann wird es doch langweilig den ganzen Tag alleine rumzuhocken. Das macht es dann noch ärgerlicher, dass ich weg muss, sobald Johanna wiederkommt. In der Woche überlappen sich unsere Schichten zum Glück größtenteils.

Das Wetter ist ein bisschen besser geworden und heute ist es zum ersten Mal richtig warm und windstill. Umso besser passt es dann, dass Johanna und ich Montag und Dienstag zusammen frei haben und zur Hütte fahren können, um zu entspannen und etwas mit ihrem Bruder und seiner Frau zu unternehmen, welche dort gerade Urlaub machen. (Bei Verwirrung über was wo liegt guckt euch die Karte aus dem letzten Beitrag an, ganz unten).

Die Fotos in diesem Beitrag sind Eindrücke aus Veiholmen und der näheren Umgebung. Ich habe jetzt gelernt, dass Veiholmen mit ?d?, also Veidholmen, veraltete Schreibweise ist. Ds sind auf Norwegisch gerne mal stumm. Bisher bin ich rundum zufrieden mit meiner Auswandergeschichte! Bis denne!

Norwegisch lernen: Jeg kommer senere fordi båten min er forsinket. («Jai kommer ssenere foahdi booten min er foahschinket») ? Ich kommer später, weil mein Boot Verspätung hat.

Vågarbryggå

Am Montag habe ich meinen Sommerjob in der Gaststätte Vågarbryggå auf Veiholmen angefangen. Die meisten meiner Kollegen sind circa in meinem Alter, umgänglich und helfen mir bei allem Möglichen weiter. Ich bin nämlich der einzige, der zum ersten Mal bei so einem Sommerjob dabei ist.

Bisher läuft alles gut. Ich hatte Tagschichten, die von 12.00 bis 19.00 Uhr gehen und bisher wenig Gäste. Es gibt dann auch noch Abendschichten die von 18.30 bis 2.00 Uhr nachts gehen. Dann allerdings mit Abend und Nachtzuschlag auf den ohnehin echt guten Stundenlohn. Der Plan ist es, möglichst viel für das Studium anzusparen, welches dann im August beginnt (falls ich angenommen werde).

Da es in Norwegen rund 160 verschiedene Dialekte und zwei verschiedene (Schrift)sprachen gibt, passiert es schnell, dass man an Ort B andere Wörter nutzt, oder alles etwas anders ausspricht, als an Ort A.  Hier spricht man einen nynorsk Dialekt, der für mich eine Herausforderung ist. Johannas Dialekt ist zwar etwas ähnlich, aber in den Sprachkursen haben wir den Oslo Dialekt gelernt, da es dort am meisten Arbeitsplätze gibt usw. . In dem lokalen Smøla Dialekt wird so z.B. das Wort “hun” (sie) zu “ho”. Das klingt ein bisschen ähnlich, sieht ein bisschen ähnlich aus, aber bedeutet dass ich bei vielen Sätzen dann eher die Kernbotschaft mitkriege, als alle Details. Aber das lerne ich schon noch. Irgendwie habe ich auch Johannas Dialekt gelernt (zu verstehen). Desweiteren habe ich die Chance neue Wörter zu lernen und meine Nynorsk-kenntnisse zu verbessern.

Das Wetter hier ist angeblich oft schlecht, also bedeckt regnerisch und kalt. Im Sommer wie im Winter, da es wegen dem Meer keine grossen Temperaturschwankungen gibt. Also mich stören die 9-12°C eigentlich gar nicht so. Es ist eher der dauerhafte Wind, der einem ein bisschen auf die Nerven gehen kann. Aber immerhin keine 30°C, wo man einfach nur eingeht 😁

Wegen dem Wetter und akutem Mangel an Internet, das nicht mobile Daten ist, habe ich nicht so viele Photos parat. Aber hier ist trotzdem eins von Johannas Arbeit aus fotografiert. Bis denne!

Vokabel des Tages: ei brygge – ein Kai

Smøla und Veidholmen

Johanna hat ihren Job schon angefangen, während ich noch ca. eine Woche warten muss, bis ich anfangen kann. Sie arbeitet südlich auf der Insel und ich im extremen Norden. Da unsere Wohnung zur Zeit ,durch einen Sturm bedingt, nicht erreichbar ist, da wir ein Boot benutzen müssten, was leider nicht geht, bei solchen Wellen und Winden, wohnen wir jetzt in der alternativen Wohnung auf Veidholmen. Hier fahren sogar ein paar Busse, es gibt Touristenunterkünfte etc. Hier würde ich gerne ein Bild zeigen, aber bisher bin ich bei dem Sturm drinnen geblieben. Deshalb hier ein Foto von der im Moment nicht erreichbaren Insel.

Wie ihr sehen könnt, war das Wetter nicht nur Schlecht. Auf dem Foto sind übrigens Boothäuser abgebildet, nicht die Hütte, in der wir wohnen würden, wenn kein Sturm wäre.

Apropros Boot, ich habe gestern den unteren Teil des Rumpfs von einem 5m langen Boot angemalt, um Johannas Onkel zu helfen, was überraschend viel Spass gemacht hat. Gut, dass ich mich im Voraus mit Hörbüchern ausgestattet hatte!

Doof nur, dass ich meine Regenjacke in der Inselhütte vergessen habe, sonst wäre der horizontal fallende Regen und die 9°C vielleicht etwas einladender 😅 Später versuche ich trotzdem noch rauszugehen und hoffentlich irgendwas sinnvolles zu machen.

Nochmal eine Übersichtskarte. Von “Inselhütte” zu “Veidholmen” (übrigens mit stummem d) sind es ca. 30km. Ich als Geograf sollte natürlich so oft wie möglich Karten benutzen. Bis später!

PS: Das ist auf dem Handy geschrieben, hoffe es sieht an PC’s dann auch ok aus.

Deutsch

 

…habe ich ein bisschen verlernt. Zumindest habe ich oft das Gefühl, wenn ich Texte schreibe, die kontrolliert werden. Darauf haben mich nach meinem ersten Post direkt ein paar Leute angesprochen und ich bin mir dessen auch bewusst. Ich weiss, dass das ja nicht böse gemeint war, aber dazu ein paar kurze Worte. Bis 2011 war ich in der Schule in Deutsch immer gut (bis sehr gut). 2012 habe ich in Kanada gelebt und bin mit einem Mischmasch aus Deutsch und Englisch wiedergekommen, da mein Gehirn sich scheinbar nicht auf einen Schlag wieder umstellen konnte. Ab 2013 habe ich 1,5 Jahre französisch gelernt, also mein drittes Grammatiksystem. 2014 ist Isländisch dazugestoßen(1,5 Jahre). 2015 Norwegisch (andauernd). Außerdem habe ich mir in der Freizeit noch Russisch, Polnisch, Spanisch, Dänisch und Schwedisch angeguckt. Auch wenn ich dauerhaft in Deutschland gelebt habe, geht auf dem Weg die ein oder andere Grammatikregel verloren. Das soll gar nicht so sehr eine Rechtfertigung sein, wie eher eine Erklärung, warum meine Texte nicht unbedingt hundertpro korrekt sind und vermutlich auch weiterhin sein werden. Ich persönlich sehe das Problem auch nicht, solange die Informationen gut überliefert werden. Vielleicht bin ich da ein Freidenker, aber ich glaube eben mehr daran, dass Sprachen ein Schlüssel sind, um mit Menschen kommunizieren zu können, als etwas das einen zurückhält, weil man Angst hat, irgendwelche Fehler zu machen. Es kann also passieren, dass ich sowas wie Folkshochschule schreibe, da ich eigentlich das norwegische Wort Folkeuniversitetet vermeiden wollte und dann das F im Kopf hatte.

So, jetzt Inhalt. Wir fahren Freitag auf die Insel Smøla, wo Johanna und ich vermutlich ab Montag jeweils einen Vollzeitjob haben werden. Sie im Süden der Insel und ich im Norden. Dazwischen liegen 45km Distanz mit der Hütte von Johannas Eltern grob in der Mitte. Wir wollen mit Fahrrädern zur Arbeit fahren, was jeden Tag viel Strampelei ist, aber eben auch gutes Training. Außerdem müssen wir von der Hütte zu den Fahrrädern rudern. Ich kann nicht rudern. Am Wochenende kriege ich einen Crashkurs. Passt schon.

Heute war der Geburtstag von Johannas Bruder und wir haben entspannt gefeiert. Trondheims grauer Marktplatz ist jetzt eine erdfarbene Baustelle. In der Stadt waren viele Deutsche, da hier ein Stop der Hurtigruten Schiffe ist. Ich habe getrockneten Seetang als Snack probiert und mich danach bedankt, dass der Teer lecker war. (Tang = tare; Teer = tjære). Mein Norwegisch wird langsam schon besser, aber ich muss auf meine Betonung achten. Es ist immer noch schwer einem Gruppengespräch hundertprozentig zu folgen. Aber das wird schon. Ich fühle mich pudelwohl und freue mich auf die kommenden Monate 🙂

Ankunft in Norwegen

Am 10.06.2018 bin ich ausgewandert. Ok, mit Verspätung der Flugzeuge eigentlich am 11.06.. Vermutlich wissen es auch alle, die das hier lesen, aber es hat mich in den Norden nach Norwegen gezogen. Ich habe mein Masterstudium in Göttingen (Ressourcenanalyse und -management M.A.) abgebrochen, um ab August in Norwegen einen neuen Master anzufangen. Falls ich angenommen werde. Dafür habe ich allerdings alles mögliche getan, unter anderem einen Englisch- und einen Norwegischsprachtest gut bestanden.

In diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen dokumentieren. Für Freunde und Familie, sowie für andere, die mehr darüber wissen wollen, wie es ist, ins Ausland auszuwandern.

Bis zum August ist noch viel Zeit und die werde ich damit überbrücken zu arbeiten. Dank der Hilfe der Mama meiner Freundin konnte ich einen Sommerjob für Ende Juni und Juli bekommen. Johanna (Freundin) und ich wohnen dann_ab Freitag beide auf der Insel Smøla in einer Ferienhütte, von wo aus wir auch arbeiten werden. Wenn die Arbeit dann vollbracht ist, ziehen wir etwas südlich von Oslo in den Studienort Ås. Aber das eben erst im August.

Bisher kommen wir bei Johannas Eltern in Trondheim unter, wo wir uns ein bisschen entspannen und ich mich wieder an Vollzeit-Norwegisch gewöhnen kann. Ohja, gewöhnen muss ich mich auch daran, dass die Sonne zwar untergeht, es aber nie dunkel wird. Ich komme mit Johannas Eltern soweit gut klar, finde sie sehr symphatisch und nehme sie als fröhlich und unterstützend wahr.

Noch ein paar erklärende Worte: Anfang 2016 habe ich angefangen Norwegisch zu lernen. Meine ursprüngliche Motivation war eine Faszination vom Norden, den skandinavischen Ländern und dem Wunsch etwas spannendes, aber dennoch sinnvolles mit meinem Leben anzufangen. Dafür habe ich mich irgendwie nicht in Deutschland gesehen, auch wenn ich den Grund nicht direkt festmachen kann. Jedenfalls ist mein Norwegisch dann über die Zeit ganz gut geworden; besonders nachdem ich meine Freundin Johanna getroffen habe, welche auch Norwegerin ist und mir so enorm weiterholfen konnte. Im April 2018 habe ich dann den sogenannten Bergenstest abgelegt, welcher ein Sprachtest der Folkeuniversitetet in Bergen ist. Laut dem lagen meine Fähigkeiten auf dem Niveau C1, also auf der Skala direkt unter Muttersprachlerniveau (die Skala lautet: A1/A2/B1/B2/C1/C2). In Wirklichkeit ist es so, dass ich mein Norwegisch wirklich gut einschätzen würde, aber eben noch viel zu lernen habe. Besonders was Vokabeln, Redewenungen und grammatikalisches Geschlecht angeht. Ich bin gespannt, wie schnell sich meine Sprachfertigkeiten wohl verbessern werden und wie gut ich mich an die subtilen kulturellen Unterschiede anpassen kann.

Wie häufig ich den Blog führen werde, wird sich zeigen, allerdings könnte es sein, dass ich ab Freitag nur Internet am Handy haben werde.

Lektion des Tages: en utlending – ein Ausländer