Smøla und Veidholmen

Johanna hat ihren Job schon angefangen, während ich noch ca. eine Woche warten muss, bis ich anfangen kann. Sie arbeitet südlich auf der Insel und ich im extremen Norden. Da unsere Wohnung zur Zeit ,durch einen Sturm bedingt, nicht erreichbar ist, da wir ein Boot benutzen müssten, was leider nicht geht, bei solchen Wellen und Winden, wohnen wir jetzt in der alternativen Wohnung auf Veidholmen. Hier fahren sogar ein paar Busse, es gibt Touristenunterkünfte etc. Hier würde ich gerne ein Bild zeigen, aber bisher bin ich bei dem Sturm drinnen geblieben. Deshalb hier ein Foto von der im Moment nicht erreichbaren Insel.

Wie ihr sehen könnt, war das Wetter nicht nur Schlecht. Auf dem Foto sind übrigens Boothäuser abgebildet, nicht die Hütte, in der wir wohnen würden, wenn kein Sturm wäre.

Apropros Boot, ich habe gestern den unteren Teil des Rumpfs von einem 5m langen Boot angemalt, um Johannas Onkel zu helfen, was überraschend viel Spass gemacht hat. Gut, dass ich mich im Voraus mit Hörbüchern ausgestattet hatte!

Doof nur, dass ich meine Regenjacke in der Inselhütte vergessen habe, sonst wäre der horizontal fallende Regen und die 9°C vielleicht etwas einladender 😅 Später versuche ich trotzdem noch rauszugehen und hoffentlich irgendwas sinnvolles zu machen.

Nochmal eine Übersichtskarte. Von “Inselhütte” zu “Veidholmen” (übrigens mit stummem d) sind es ca. 30km. Ich als Geograf sollte natürlich so oft wie möglich Karten benutzen. Bis später!

PS: Das ist auf dem Handy geschrieben, hoffe es sieht an PC’s dann auch ok aus.

Deutsch

 

…habe ich ein bisschen verlernt. Zumindest habe ich oft das Gefühl, wenn ich Texte schreibe, die kontrolliert werden. Darauf haben mich nach meinem ersten Post direkt ein paar Leute angesprochen und ich bin mir dessen auch bewusst. Ich weiss, dass das ja nicht böse gemeint war, aber dazu ein paar kurze Worte. Bis 2011 war ich in der Schule in Deutsch immer gut (bis sehr gut). 2012 habe ich in Kanada gelebt und bin mit einem Mischmasch aus Deutsch und Englisch wiedergekommen, da mein Gehirn sich scheinbar nicht auf einen Schlag wieder umstellen konnte. Ab 2013 habe ich 1,5 Jahre französisch gelernt, also mein drittes Grammatiksystem. 2014 ist Isländisch dazugestoßen(1,5 Jahre). 2015 Norwegisch (andauernd). Außerdem habe ich mir in der Freizeit noch Russisch, Polnisch, Spanisch, Dänisch und Schwedisch angeguckt. Auch wenn ich dauerhaft in Deutschland gelebt habe, geht auf dem Weg die ein oder andere Grammatikregel verloren. Das soll gar nicht so sehr eine Rechtfertigung sein, wie eher eine Erklärung, warum meine Texte nicht unbedingt hundertpro korrekt sind und vermutlich auch weiterhin sein werden. Ich persönlich sehe das Problem auch nicht, solange die Informationen gut überliefert werden. Vielleicht bin ich da ein Freidenker, aber ich glaube eben mehr daran, dass Sprachen ein Schlüssel sind, um mit Menschen kommunizieren zu können, als etwas das einen zurückhält, weil man Angst hat, irgendwelche Fehler zu machen. Es kann also passieren, dass ich sowas wie Folkshochschule schreibe, da ich eigentlich das norwegische Wort Folkeuniversitetet vermeiden wollte und dann das F im Kopf hatte.

So, jetzt Inhalt. Wir fahren Freitag auf die Insel Smøla, wo Johanna und ich vermutlich ab Montag jeweils einen Vollzeitjob haben werden. Sie im Süden der Insel und ich im Norden. Dazwischen liegen 45km Distanz mit der Hütte von Johannas Eltern grob in der Mitte. Wir wollen mit Fahrrädern zur Arbeit fahren, was jeden Tag viel Strampelei ist, aber eben auch gutes Training. Außerdem müssen wir von der Hütte zu den Fahrrädern rudern. Ich kann nicht rudern. Am Wochenende kriege ich einen Crashkurs. Passt schon.

Heute war der Geburtstag von Johannas Bruder und wir haben entspannt gefeiert. Trondheims grauer Marktplatz ist jetzt eine erdfarbene Baustelle. In der Stadt waren viele Deutsche, da hier ein Stop der Hurtigruten Schiffe ist. Ich habe getrockneten Seetang als Snack probiert und mich danach bedankt, dass der Teer lecker war. (Tang = tare; Teer = tjære). Mein Norwegisch wird langsam schon besser, aber ich muss auf meine Betonung achten. Es ist immer noch schwer einem Gruppengespräch hundertprozentig zu folgen. Aber das wird schon. Ich fühle mich pudelwohl und freue mich auf die kommenden Monate 🙂

Ankunft in Norwegen

Am 10.06.2018 bin ich ausgewandert. Ok, mit Verspätung der Flugzeuge eigentlich am 11.06.. Vermutlich wissen es auch alle, die das hier lesen, aber es hat mich in den Norden nach Norwegen gezogen. Ich habe mein Masterstudium in Göttingen (Ressourcenanalyse und -management M.A.) abgebrochen, um ab August in Norwegen einen neuen Master anzufangen. Falls ich angenommen werde. Dafür habe ich allerdings alles mögliche getan, unter anderem einen Englisch- und einen Norwegischsprachtest gut bestanden.

In diesem Blog möchte ich meine Erfahrungen dokumentieren. Für Freunde und Familie, sowie für andere, die mehr darüber wissen wollen, wie es ist, ins Ausland auszuwandern.

Bis zum August ist noch viel Zeit und die werde ich damit überbrücken zu arbeiten. Dank der Hilfe der Mama meiner Freundin konnte ich einen Sommerjob für Ende Juni und Juli bekommen. Johanna (Freundin) und ich wohnen dann_ab Freitag beide auf der Insel Smøla in einer Ferienhütte, von wo aus wir auch arbeiten werden. Wenn die Arbeit dann vollbracht ist, ziehen wir etwas südlich von Oslo in den Studienort Ås. Aber das eben erst im August.

Bisher kommen wir bei Johannas Eltern in Trondheim unter, wo wir uns ein bisschen entspannen und ich mich wieder an Vollzeit-Norwegisch gewöhnen kann. Ohja, gewöhnen muss ich mich auch daran, dass die Sonne zwar untergeht, es aber nie dunkel wird. Ich komme mit Johannas Eltern soweit gut klar, finde sie sehr symphatisch und nehme sie als fröhlich und unterstützend wahr.

Noch ein paar erklärende Worte: Anfang 2016 habe ich angefangen Norwegisch zu lernen. Meine ursprüngliche Motivation war eine Faszination vom Norden, den skandinavischen Ländern und dem Wunsch etwas spannendes, aber dennoch sinnvolles mit meinem Leben anzufangen. Dafür habe ich mich irgendwie nicht in Deutschland gesehen, auch wenn ich den Grund nicht direkt festmachen kann. Jedenfalls ist mein Norwegisch dann über die Zeit ganz gut geworden; besonders nachdem ich meine Freundin Johanna getroffen habe, welche auch Norwegerin ist und mir so enorm weiterholfen konnte. Im April 2018 habe ich dann den sogenannten Bergenstest abgelegt, welcher ein Sprachtest der Folkeuniversitetet in Bergen ist. Laut dem lagen meine Fähigkeiten auf dem Niveau C1, also auf der Skala direkt unter Muttersprachlerniveau (die Skala lautet: A1/A2/B1/B2/C1/C2). In Wirklichkeit ist es so, dass ich mein Norwegisch wirklich gut einschätzen würde, aber eben noch viel zu lernen habe. Besonders was Vokabeln, Redewenungen und grammatikalisches Geschlecht angeht. Ich bin gespannt, wie schnell sich meine Sprachfertigkeiten wohl verbessern werden und wie gut ich mich an die subtilen kulturellen Unterschiede anpassen kann.

Wie häufig ich den Blog führen werde, wird sich zeigen, allerdings könnte es sein, dass ich ab Freitag nur Internet am Handy haben werde.

Lektion des Tages: en utlending – ein Ausländer